BayGebDia

Bayerische Gebärdensprachdialekte

Lexika

Oberbayern

München346

Hohenwart49

Niederbayern

Straubing269

Schwaben

Augsburg63

Dillingen60

Ursberg1

Oberfranken

Bayreuth62

Bamberg64


 ? 
Bayernkarte mit wichtige Städte

Mittelfranken

Nürnberg56

Zell96

Unterfranken

Würzburg156

Oberpfalz

Regensburg1

Bayern

Taube Personen36

Hörende Personen18

Orte und Bezirken63

Flüsse und Seen10

Projekt

Team

  • Gertud Mally
  • Franziska Fehringer
  • Jerry-Garfield Rausch
  • Karin Eberhart
  • Markus Beetz

Gebärdensammlung​

Jede Region in Deutschland hat nicht nur ihre eigene Kultur, sondern auch ihre ganz eigenen Dialekte, Begriffe und Wörter. ​

So kann es passieren, dass typische Gerichte, Backwaren oder sogar Obst und Gemüse ganz unterschiedliche Namen haben – je nachdem, wo man sich gerade befindet. ​

Beispiel: ​

In Norddeutschland sagt man „Brötchen“. ​

In Bayern heißt das gleiche Gebäck: „Semmel“. ​

Und dieser Unterschied zeigt sich nicht nur in der Lautsprache – sondern auch in der Gebärdensprache. ​

Auch uns ist oft aufgefallen: Wenn Gebärdensprachdolmetschende oder zugezogene „Nichteinheimische“ in Bayern Begriffe verwenden, werden sie nicht immer verstanden – weil die bayerische Gebärdenvariante unbekannt ist oder fehlt. ​

​

Wir haben auch festgestellt, dass viele regionale Gebärden aus Bayern nicht beachtet wurden oder bereits verschwunden sind. ​

Orte, Bezirke, Namen oder idiomatische Begriffe fehlen oft – oder sie werden durch andere, überregionale Varianten ersetzt. ​

Deshalb haben wir das Projekt BayGebDia gestartet: Um diese sprachliche Vielfalt zu bewahren, sichtbar zu machen – und der bayerischen Gebärdensprachgemeinschaft wieder näherzubringen. ​

Unser Ziel ist es, die kulturelle Identität der tauben Gemeinschaft zu stärken und zur aktiven Sprachpflege zu ermutigen: ​

Taube Menschen sollen ihre angestammten Dialekte selbstbewusst nutzen, weitergeben und leben.​

Dazu haben wir – das Redaktionsteam mit Markus Beetz und Karin Eberhart – über viele Monate hinweg bayerische Städte besucht: ​

München, Straubing, Nürnberg, Augsburg, Bamberg, Bayreuth, Ursberg, Hohenwart, Zell, Dillingen, Würzburg. ​

Vor allem einheimische, taube Personen waren uns wichtig: Menschen, die die alten so genannten „Taubstummenanstalten“ besucht haben – oder in tauben Familien mit eigener Dialektprägung aufgewachsen sind. ​

So entstand eine Sammlung von über 2.000 regionalen Gebärden, die wir in kurzen Videos dokumentiert und auf dieser Website veröffentlicht haben. ​

Diese Aufnahmen sind mehr als nur ein Gebärden-Lexikon: ​

Sie sind ein Stück Sprachgeschichte. ​

Wissenswert

Woher kommen die vielen Dialekte – und warum gibt es sie überhaupt? ​

Die Geschichte der bayerischen Gebärdendialekte beginnt vor über 200 Jahren. ​

Schon 1794 wurde in München der erste Gehörlosenunterricht eingeführt – durch einen geflüchteten Mönch namens Bartelemy de Boullien aus Paris, der französische Gebärden mitbrachte. ​
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Nur drei Jahre später verschwand er – aber die ersten Einflüsse waren gesetzt. ​

Wenig später reiste der Priester Bernhard von Ernsdorfer nach Wien, um sich in der dortigen Gehörlosenschule weiterzubilden. Mit ihm kam die „Wiener Methode“ nach Bayern – samt neuer Gebärden und dem Fingeralphabet. ​
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Viele dieser Gebärden verbreiteten sich, weil Lehrkräfte sie im Unterricht mit Gehörlosen einsetzten – in ganz Bayern, bis zum Mailänder Beschluss 1880. ​
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Doch die wahre Gebärdensprachentwicklung fand woanders statt: ​

Auf den Pausenhöfen. In den Heimen. Und in den Vereinen. ​

Denn: Gebärdensprache war im Unterricht nach dem Mailänder Beschluss (1880) lange verboten – oder wurde sogar bestraft. ​
Die Heimschüler nutzten sie trotzdem – heimlich! ​

So entstanden eigene Gebärden für Orte, Begriffe oder Namen. Viele dieser Dialekte wurden logischerweise nur „von Hand zu Hand“ – weitergegeben. ​

Später trafen sich junge Gehörlose in Internaten, Berufsbildungswerken oder Sportvereinen. Dort lernten sie neue Dialekte kennen – und passten ihre Gebärden an. ​

Ein typischer Satz, der zeigt, wie wichtig dieser Austausch war: ​

„Du – Schule wo?“ ​
Diese Frage zeigt ganz klar: ​
Die Schule, die du besucht hast, sagt viel über deine Gebärden aus.  ​

Wie verändert sich die Gebärdensprache heute? ​

Seit den 1970er-Jahren und durch bessere Verkehrsanbindung begegnen sich mehr Gehörlose aus unterschiedlichen Regionen. ​

So wurden viele regionale Eigenheiten seltener – oder verschwanden ganz. ​

Und heute? ​

Durch das Internet breiten sich internationale Gebärden und Einflüsse aus der American Sign Language (ASL) stark aus. ​

Vor allem in Social Media. ​

Die Vielfalt der bayerischen Dialekte ist dadurch stärker gefährdet als je zuvor. 

Warum BayGebDia so wichtig ist? ​

Mit BayGebDia wollen wir die originalen Gebärden aus Bayern bewahren – bevor sie verloren gehen. ​

Denn sie sind nicht nur Sprache. Sie sind Geschichte, Identität – und Heimat. ​

Für wen ist das Projekt? ​

BayGebDia richtet sich an: ​

  • Gebärdensprachnutzende ​
  • Dolmetschenden ​
  • Dozierende ​
  • Lehrende und Erziehende​

Mach mit!

Du bist taub und/oder mit bayerischer Gebärdensprache aufgewachsen – und dir fehlt hier eine Gebärde aus deinem Dialekt? ​
 ​
Dann melde dich bei uns - und zeig sie uns direkt in einem Video, das du ganz einfach über unser Kontaktformular hochladen kannst. ​
 ​
So bekommt auch deine Gebärde hier ihren Platz.

"Aww. Die Gebärde "Nudel" habe ich vermisst."​

"Sehr interessant!"​

"TOLL gebärdenerklärt"​

Danksagung

Wir danken allen, die dieses Projekt möglich gemacht haben. ​

Ein besonderer Dank gilt der Aktion Mensch, die das Projekt „Bayerische Gebärdendialekte“ von Januar 2021 bis Dezember 2026 fördert und begleitet. ​

Wir danken auch unseren wertvollen Unterstützer:innen und Partner:innen: ​

Ilona Hofmann (DGS-Korpus) ​

Prof. Sabine Fries (Hochschule Landshut) ​

Landesverband der Gebärdensprachlehrer:innen Bayern e.V. ​

Gertrud Mally ​

Franziska Fehringer ​

Jerry-Garfield Rausch ​

Filmstudio yomma ​

Mit ihrer Hilfe konnten wir eine digitale Plattform mit offenem Zugang aufbauen – ein Gebärden-Wörterbuch mit Videos, Erklärungen und Herkunftshinweisen. ​
 ​
Diese Sammlung soll nicht nur Freude machen – sondern zur Erweiterung und Erhaltung des Gebärdenschatzes in Bayern beitragen. ​

Danke für euer Vertrauen, eure Zeit und eure Unterstützung. ​
 ​
Dieses Projekt ist für euch – und durch euch entstanden. ​

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